scheiden

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schei|den ['ʃai̮dn̩], schied, geschieden:
1. <tr.; hat (eine Ehe) gerichtlich auflösen, für aufgelöst erklären:
der Richter hatte ihre Ehe geschieden; sich scheiden lassen (seine Ehe gerichtlich auflösen lassen); sie hat einen geschiedenen Mann geheiratet (einen Mann, dessen vorhergehende Ehe gerichtlich aufgelöst ist).
2.
a) <tr.; hat (meist geh.) eine Trennung, eine deutliche Unterscheidung zwischen Personen oder Dingen bewirken:
diese Grenze scheidet zwei Welten voneinander; ihre Erziehung scheidet die beiden; »Bedeutung« begrifflich von »Inhalt« scheiden.
Syn.: absondern, auseinanderhalten, isolieren, trennen, unterscheiden.
b) <+ sich> sich als verschieden erweisen; auseinandergehen:
bei dieser Frage scheiden sich unsere Meinungen; da scheiden sich die Geister (gehen die Meinungen auseinander).
Syn.: sich unterscheiden, voneinander abweichen.
3. <itr.; ist (geh.)
a) (von Personen) auseinandergehen, in bestimmter Weise voneinander weggehen:
sie schieden grußlos, als Freunde.
b) für längere Zeit, für immer von einem Ort weggehen, einen Aufenthalt beenden:
sie sahen ihn ungern scheiden; die Besucherinnen waren nach dem Fest fröhlich von ihnen geschieden.

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schei|den 〈V. 207
I 〈V. tr.; hattrennen, zerlegen, teilen, lösen ● eine Ehe \scheiden; Erze \scheiden vom tauben Gestein trennen; hier \scheiden sich die Geister, die Meinungen die M. gehen auseinander, stimmen nicht überein; eine chemische Verbindung \scheiden ● sich \scheiden lassen seine Ehe gerichtlich lösen, trennen lassen ● er ist aus dem Amt geschieden hat sein Amt niedergelegt; aus dem Leben \scheiden sterben; im Guten \scheiden; von jmdm., von einem Ort \scheiden; die Spreu vom Weizen \scheiden 〈fig.〉 das Schlechte vom Guten trennen; sich von jmdm. \scheiden 〈veraltet〉 von jmdm. (für immer, endgültig) Abschied nehmen
II 〈V. refl.〉 sich \scheiden sich trennen, auseinandergehen ● eine geschiedene Frau, ein geschiedener Mann eine Frau bzw. ein Mann, deren bzw. dessen Ehe geschieden wurde; wir sind geschiedene Leute 〈fig.〉 uns verbindet überhaupt nichts mehr, wir sind fertig miteinander; beide sind durch gegensätzliche Ansichten, unterschiedliches Herkommen geschieden
III 〈V. intr.; ist
1. Abschied nehmen, sich trennen, auseinandergehen
2. die Milch scheidet 〈schweiz.; umg.〉 gerinnt
● Scheiden bringt Leiden 〈Sprichw.〉; wir müssen \scheiden; Scheiden tut wehals Freunde \scheiden ● das \scheidende Jahr, der \scheidende Tag; die \scheidende Sonne; es muss geschieden sein
[<ahd. sceidan, skeidan, engl. shed, got. skaiþan <germ. *skaiþanan, *skaiðanan; zu idg. *skei- „scheiden, trennen, schneiden“; verwandt mit Scheit, Scheitel, Scheibe, Schicht]

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Schei|den: in Chemie, Bergbau u. Hüttenwesen veraltetes, noch in Zus. wie Scheidetrichter, Magnetscheidung oder Schwertrübescheidung erhaltenes Syn. für Trennen, z. B. Gold von Silber u. Platinmetallen, taubes Gestein (Gangart) vom Erz etc.

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schei|den <st. V.> [mhd. scheiden, ahd. sceidan, urspr. = (ab)schneiden, spalten, trennen]:
1. <hat> (eine Ehe) durch ein Gerichtsurteil für aufgelöst erklären:
ihre Ehe wurde geschieden.
2. <hat>
a) (meist geh.) trennen, abgrenzen:
beide Kontinente sind nur durch eine schmale Meeresstraße voneinander geschieden;
Ü Beruf und Privatleben streng voneinander s.;
diese beiden Begriffe lassen sich nur schwer voneinander s.;
b) <s. + sich> sich verzweigen, auseinanderfließen, -gehen:
an der großen Tanne scheiden sich die Wege;
c) (geh.) unterscheiden (3);
d) (bes. Hüttenw., Chemie) (eine Substanz von einer od. mehreren anderen) trennen, sondern:
Metalle s.;
mit Salpetersäure lässt sich Silber von Gold s.;
<subst.:> Edelmetalle lassen sich durch Scheiden aus Altmetall zurückgewinnen;
e) <s. + sich> (meist geh.) sich trennen.
3. <ist> (geh.) (jmdn. zurücklassend) weggehen, auseinandergehen:
wir schieden grußlos [voneinander];
Ü der Sommer scheidet (geht dahin);
aus dem Dienst s. (seinen Dienst aufgeben).

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Scheiden,
 
1) Bergbau: das Trennen von verwachsenen groben Stücken in reine Einzelteile von Hand mit bergmännischen Hämmern (z. B. Fäusteln oder Schlägeln). Das Scheiden ist heute meist durch mechanisierte Verfahren ersetzt, war früher aber, besonders in der Erzaufbereitung, eine wichtige Arbeitsstufe.
 
 2) Metallurgie: Gold-Silber-Scheidung.

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schei|den <st. V.> [mhd. scheiden, ahd. sceidan, urspr. = (ab)schneiden, spalten, trennen]: 1. (eine Ehe) durch ein Gerichtsurteil für aufgelöst erklären <hat>: ihre Ehe wurde geschieden; sich [von jmdm.] s. lassen (seine Ehe [mit jmdm.] gerichtlich auflösen lassen); Lassen sich Paare, die konstruktiv zu streiten gelernt haben, seltener s.? (Woche 3. 7. 98, 27); er ist, sie sind geschieden (seine, ihre Ehe ist geschieden); mein geschiedener Mann (der Mann, von dem ich jetzt geschieden bin). 2. <hat> a) (meist geh.) trennen, abgrenzen: der Isthmus scheidet den Golf von Korinth vom Saronischen Golf; der Eiserne Vorhang schied zwei Welten [voneinander]; beide Kontinente sind nur durch eine schmale Meeresstraße voneinander geschieden; Ü Beruf und Privatleben streng voneinander s.; diese beiden Begriffe lassen sich nur schwer voneinander s.; Wo ist die Grenze, die Chaos von Ordnung scheidet ...? (Remarque, Obelisk 83); Der Kesselflicker ist von jedem säkularisierten Christentum ... durch einen Abgrund geschieden (Nigg, Wiederkehr 77); b) <s. + sich> sich verzweigen, auseinander fließen, gehen: dort scheidet sich der Golfstrom [in einen nordöstlichen und einen südöstlichen Zweig]; an der großen Tanne scheiden sich die Wege; Ü Aber jetzt scheiden sich die Wege der Geschlechter (Freud, Abriß 18); in dieser Frage, hier, an diesem Punkt scheiden sich die Meinungen (weichen sie voneinander ab, divergieren sie); c) (geh.) unterscheiden (3): Diese Tatsache ... scheidet die Christen der antiken Welt grundlegend von denen späterer Zeit (Thiess, Reich 258); d) (bes. Hüttenw., Chemie) (eine Substanz von einer od. mehreren anderen) trennen, sondern: Metalle s.; mit Salpetersäure lässt sich Silber von Gold s.; das Erz vom tauben Gestein s.; <subst.:> Edelmetalle lassen sich durch Scheiden aus Altmetall zurückgewinnen; e) <s. + sich> (meist geh.) sich trennen: als hätten sich ... Wasser und Land noch nicht geschieden (Musil, Mann 857); Ü Die Menschen im Walde scheiden sich (lassen sich einteilen) in solche, die den Wald als ihre Berufsstätte betrachten, und in solche, die ... (Mantel, Wald 109). 3. <ist> (geh.) (jmdn. zurücklassend) weggehen, auseinander gehen: wir schieden grußlos, als Freunde [voneinander]; wir sahen ihn mit Bedauern, ungern [von hier] s.; aber sie war froh, auch von diesem Ort zu s. (A. Kolb, Daphne 18); R <subst.:> Scheiden tut weh; Scheiden bringt Leiden; Ü Ich habe gesehen ... dass Ihr bald von der Erde s. (sterben) müsst (Buber, Gog 207); der Sommer scheidet (geht dahin); das scheidende (zu Ende gehende) Jahr; aus dem Dienst, Amt s. (seinen Dienst aufgeben, sein Amt niederlegen); der scheidende (in Kürze seine Amtszeit beendende) Präsident.

Universal-Lexikon. 2012.

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  • scheiden — Vst. std. (8. Jh.), mhd. scheiden, ahd. skeidan, as. skēdan, skeđan, afr. skētha, skēda, skatta Stammwort. Aus g. * skaid a Vst. scheiden , auch in gt. skaidan (reduplizierend), ae. scēadan. Der grammatische Wechsel ist teilweise durch das ganze… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

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  • Scheiden — 1. Ach, Scheiden, wie thust du so weh, sagte der Fünfte, dem war das Hemd in Arsch gebacken. – Hoefer, 379; Schaltjahr, III, 157. 2. Am Scheiden liegt der Dank. – Petri, II, 14. 3. Es muss einmal geschieden sein. 4. Macht Scheiden Pein, so mag es …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

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